Kahlschlag bei BAT in Bayreuth: Abbau von 950 Jobs geplant

Gerüchte bestätigen sich, Gewerkschaft, Betriebsrat und Belegschaft sind fassungslos

Bayreuth, 14. Juli 2016

 

„Jetzt ist die Katze aus dem Sack“, so Michael Grundl, Geschäftsführer der Gewerkschaft

Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für Oberfranken. Die Gerüchte über einen Personalabbau bei der British American Tobacco (BAT) in Bayreuth haben sich bestätigt. Die Geschäftsführung will rund 950 Stellen am Standort Bayreuth abbauen. „Ein Wahnsinn und nicht nachvollziehbar“, so Grundl weiter.

 

„Der Produktionsstandort Bayreuth ist hochprofitabel und eine Innovationsschmiede innerhalb British American Tobacco (BAT). In fast sechzig Jahren Standortgeschichte haben die Beschäftigten in Bayreuth Milliardengewinne erwirtschaftet, jetzt soll die Cigarettenproduktion weitgehend stillgelegt werden“.

 

"Wir sind entsetzt", so Paul Walberer, Betriebsratsvorsitzender. "Das Management entzieht unseren Kolleginnen und Kollegen sowie deren Familien ihre Lebensgrundlage und richtet für unsere Region einen großen Schaden an. Und das ohne Not. Uns war bewusst, dass im Rahmen des europaweiten Vergleiches von BAT-Standorten Veränderungen anstehen, aber dass es so schlimm wird, haben wir nicht erwartet".

 

Es war seit längerem bekannt, dass der Produktionsstandort Bayreuth zu einer internen Überprüfung in Europa herangezogen wurde. Deshalb haben die Arbeitnehmervertretung (Betriebsrat und Gewerkschaft NGG) mit der Geschäftsleitung Zukunftsmodelle entwickelt, um den Standort Bayreuth international noch wettbewerbsfähiger zu machen. "Diese guten Konzepte haben den Verantwortlichen offenbar nicht gereicht. Die Gier nach immer mehr Profit scheint größer zu sein, als die Verantwortung für die Menschen und die Region", so Grundl. 

 

Gemeinsame Erklärung der Gewerkschaft NGG und des Betriebsrats BAT Bayreuth:

 

Wir verurteilen die Entscheidung des Managements, die Cigarettenproduktion in Bayreuth einzustellen und damit verbunden rund 950 Stellen abzubauen, auf das Schärfste. Diese Arbeitgeberentscheidung ist wirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Die Beschäftigten haben zu jeder Zeit einen tollen Job gemacht und sind in Sachen Flexibilität, Leistung und Innovation Weltmeister innerhalb des Konzerns. Der Standort Bayreuth ist bis heute hochprofitabel und fährt dem Unternehmen überdurchschnittlich hohe Gewinne ein. Trotzdem haben wir die Bedrohung der europaweiten Überprüfung von BAT-Werken sehr ernst genommen und waren nicht untätig.

Wir haben seit gut einem Jahr mit dem lokalem Management Zukunftskonzepte entwickelt, um den Produktionsstandort innerhalb des Konzernes noch attraktiver zu machen. Wir haben den Dialog mit der Politik auf allen Ebenen gesucht, haben nichts unterlassen, die positiven Aspekte von BAT Bayreuth national und international in den Vordergrund zu stellen.Leider haben diese Anstrengungen nicht ausgereicht.

Offensichtlich ist den Verantwortlichen nicht klar, was sie mit dieser Entscheidung anrichten. Das ist für alle Beschäftigten ein Schlag ins Gesicht und eine Katastrophe für deren Familien und die Region. Ohne Not - aus reiner Profitgier.

Die Beschäftigten tragen keinerlei Schuld an dieser Entscheidung. Es ist schlicht die Unwahrheit wenn behauptet wird, die sogenannten Lohnkosten in Bayreuth seien in internationalen Vergleichen zu hoch. Der Anteil der Löhne und Gehälter am Umsatz beträgt weniger als 4%. Die Umsatzrenditen sind gigantisch und es wurde in Bayreuth ein Rekordjahr nach dem nächsten eingefahren.  

Bis zuletzt haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Spitzenjob gemacht, unter Hochdruck auf die Veränderungen am Markt und der gesetzlichen Veränderungen zum Werbeverbot reagiert. Wie so oft haben die Menschen in Bayreuth die Kohlen aus dem Feuer geholt. Auf unsere Kolleginnen und Kollegen in Bayreuth war und ist immer Verlass, wenn es um besondere Herausforderungen auf dem europäischem Markt geht.

Als Dank dafür wird einem Großteil unserer Kolleginnen und Kollegen nun der Job genommen.

Wir fordern die Geschäftsleitung auf, mit den Arbeitnehmervertretern unverzüglich Verhandlungen aufzunehmen um den betroffenen Kolleginnen und Kollegen möglichst schnell Klarheit über neue Perspektiven und den zu erwartenden Konditionen zu eröffnen. Hierbei müssen neben der Abfederung von sozialen Nachteilen über Abfindungsregelungen, insbesondere Vorruhestandsregelungen, und darüber hinaus weitere Methoden gefunden werden, um drohende Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

"Man soll niemandem etwas Schlechtes wünschen", so Grundl, "aber für jede Träne die aufgrund dieser Managerentscheidung vergossen wird, wünsche ich den Verantwortlichen eine schlaflose Nacht."

 

Für Rückfragen der Presse stehen zur Verfügung:

  • Michael Grundl (NGG Bayreuth) unter 0171-4785698

  • Paul Walberer (Betriebsratsvorsitzender) unter 0172-4569992

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