Tarifverhandlung in der bayerischen Milchwirtschaft startet

NGG fordert 6%, mindestens 190€ mehr Lohn für rund 15.000 Beschäftigte der bayerischen Milchwirtschaft

München, den 22.07.2020 I Mit einer Forderung von 6%, mindestens jedoch monatlich 190€ mehr Lohn, sowie 125€ mehr Ausbildungsvergütung pro Ausbildungsjahr, startet die Gewerkschaft Nahrung –Genuss-Gaststätten in die Tarifrunde der bayerischen Milchwirtschaft. Der Anschlusstarifvertrag soll eine Laufzeit von 12 Monaten haben.

Mustafa Öz, Landesbezirksvorsitzender und Verhandlungsführer der NGG, sieht gute wirtschaftliche Vorzeichen für die Verhandlungen, trotz Corona: „Der Branche geht es gut. Die Milchwirtschaft zählt in Zeiten der Krise zu den systemrelevanten Branchen, die dafür sorgen, dass die Regale gut mit Milchprodukten aller Art gefüllt sind. Kurzarbeit war und ist derzeit weitgehend ein Fremdwort, das, wenn überhaupt, nur kurzzeitig für die Beschäftigten im Außendienst ein Thema war. Vielerorts konnte die Nachfrage nach den hochwertigen Produkten nur mit Mehrarbeit und Sonderschichten sowie der flexiblen Einsatzbereitschaft der Beschäftigten bedient werden. Dank ausgeklügelter Hygienekonzepte und Einhaltung des Infektionsschutzes ist die Branche bestens aufgestellt und hat keine Corona-Fälle unter den Beschäftigten zu beklagen.“

„Corona hat in Deutschland in vielen Branchen vor allem eine wirtschaftliche Krise herbeigeführt. Davon kann in der Milchwirtschaft ganz und gar nicht die Rede sein. Dort scheint es vielen Unternehmen in der Krise sogar besser zu gehen als davor. Dies nehmen wir zum Anlass die Tarifrunde genauso zu gestalten wie dies auch ohne Corona der Fall gewesen wäre. Bei einem Lohnkostenanteil von nur rund 8% am Gesamtumsatz und teilweise ordentlichen Produktionszuwächsen muss auch Spielraum für eine anständige Lohnerhöhung sein. Deshalb erwarte die NGG-Tarifkommission von der Arbeitgeberseite ein verhandlungsfähiges Angebot“, so Öz weiter.  „Und wer glaubt, dass Forderungen in Zeiten wie diesen ohnehin nicht durch Arbeitskampfmaßnahmen durchgesetzt werden können, den werden wir schon jetzt vorwarnen. Wir sind zu allem bereit!“

Am Donnerstag, 10. September wird die NGG-Tarifkommission erstmals mit den Arbeitgebervertretern zusammentreffen. Über die Ergebnisse der ersten Verhandlungsrunde werden wir zeitnah berichten.

 

 

Zum Hintergrund:

Zum Tarifgebiet der Milchwirtschaft gehören Unternehmen wie Andechser Molkerei Bauer, Bergader, BMI, Danone, Ehrmann, Edelweiß, Goldsteig, Hochland, Karwendel, Meggle, Nestle, Stegmann und Zott. Die Gewerkschaft NGG fordert eine Entgelterhöhung von 6%, mindestens jedoch monatlich 190€ mehr sowie eine Erhöhung von 125€ pro Ausbildungsjahr, bei einer Laufzeit von 12 Monaten im Anschluss an den auslaufenden Entgelttarifvertrag.