Lohn-Plus für 5.000 Beschäftigte gefordert

Tarifkonflikt in bayerischer Nährmittelindustrie spitzt sich zu

Die Tarifauseinandersetzung in Bayerns Nährmittelindustrie geht in die nächste Runde: Mit landesweiten Protest-Aktionen und einer „Gesundheitswoche“ wollen Beschäftigte ab diesem Donnerstag den Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen erhöhen. Betroffen sind unter anderem der Babynahrungshersteller Hipp in Pfaffenhofen, der Snack-Produzent Mondelez in Donauwörth, der Backmischungshersteller Ireks und der Gewürzehersteller Raps in Kulmbach, sowie der Nudelhersteller Bernbacher bei München. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. „Die 5.000 Beschäftigten der Branche sorgen mit ihrer Arbeit dafür, dass Supermarktregale auch in der Corona-Krise gefüllt bleiben. Zudem versorgen sie die Lebensmittelindustrie mit Rohstoffen. Für diesen systemrelevanten Job erwarten sie jetzt mehr Anerkennung“, so der Landesvorsitzende der NGG Bayern, Mustafa Öz. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von sechs Prozent, mindestens jedoch 180 Euro mehr im Monat, sowie einen tariflichen Corona-Bonus in Höhe von 1.500 Euro.

Arbeitgebervertreter hatten die zweite Tarifverhandlung für die Branche am 10. Juli überraschend abgesagt. „Trotz der guten Wirtschaftslage bieten sie nur eine Nullrunde – das ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“, kritisiert Öz. Nach NGG-Informationen bewegen sich die Auftragseingänge der Firmen trotz Pandemie auf dem Vorjahresniveau. Einzelne Hersteller hätten sogar Schwierigkeiten, die hohe Nachfrage zu bedienen. „Die Arbeitgeber müssen sich jetzt bewegen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. Am Ende geht es auch darum, ob die Branche für Fach- und Nachwuchskräfte attraktiv bleibt“, so Öz weiter.

Bei den nun startenden betrieblichen Protesten will die Gewerkschaft NGG auch über den Arbeits- und Gesundheitsschutz informieren. Vor Ort soll es unter anderem eine „Corona-Sprechstunde“ und Gespräche mit Gesundheitsämtern geben. Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter wollen sich zudem mit Beschäftigten über die hohe Arbeitsbelastung durch Überstunden und Sonderschichten austauschen.

Zu Bayerns Nährmittelindustrie zählen Unternehmen wie Hipp, Raps, Mondelez, Bernbacher, Ireks Wela, Nutrichem, Saumweber und Innfood. Zwischen dem 23. und 30. Juli soll es betriebliche Proteste an zehn Standorten geben.